The Real Shit! Warum wir auf Bambusfaser setzen

Ganz ehrlich? Ich liebe meine Kinder und ich liebe die Umwelt! Aber es gibt für mich persönlich Grenzen. Die darf auch jeder gerne anders stecken und ich finde supercool, wenn Mütter Stoffwindeln benutzen. Aber meine persönliche Grenze ist bei den vollgeschissenen Windeln erreicht. Als bekennende Ökomum sage ich hier und jetzt einmal laut: Ich benutze keine Stoffwindeln. Warum ich das so laut sage? Weil mir in den letzten Wochen immer wieder Mütter begegnet sind, die mich vorwurfvoll betrachtet haben, nachdem sie mitbekommen haben, dass ich auf ganz normale Windeln setze. Deswegen gibt es jetzt ein Statement für die normale Windel von mir – ich taufe es „the real shit“ und bitte darum mir zu verzeihen, wenn ich hier und mit nicht ganz bierernst gemeinten Klischees um mich werfe. Aber mir ist gerade danach – vor allem und deswegen, weil ich mich frage, seit wann es eigentlich so ein Streitthema geworden ist, auf welche Windeln Mütter setzen.

Wer Stoff will, soll Stoff nehmen und bekommt für seinen Fleiß auch meine ehrlich gemeinte Bewunderung – aber wer normale Windeln will, der soll auch auf normale Windeln setzen dürfen, ohne vorwurfsvolle Blicke oder Kommentare zu ernten.

Bist du auch eine Ökomum? Dann musst du damit rechnen, dass du von anderen Ökomums mit strafendem Blick betrachtet wirst, wenn du erwähnst, dass du nicht mit Stoffwindeln durch den Alltag kommst. 

Stoffwindel oder Einmalwindel?

„Wie kann es sein, dass du die Umwelt in Windeln erstickst?“ wurde mir schon als Frage um die Ohren gehauen. Ich möchte dann eigentlich gerne mit einer dicken Portion Ironie zurückfragen: „Wie kann es sein, dass du deine Hände gerne in vollgeschissenen Windeln badest?“

…kann mich aber gerade noch zurückhalten. Höflichkeit und so. 

Warum ich also auf normale Windeln setze und nicht die ökologisch eindeutig besseren Stoffwindeln benutze?

1. Ich will die Waschmaschine nicht noch öfter anwerfen – die läuft nämlich schon im Dauermodus

2. Wir haben leider keine 10 Zimmer Villa mit Platz für einen Extrawindel-Schrank und Extrawindel-Wäschständerplätze

3. Ich will nun einmal keine gebrauchten Stoffwindeln in Wasser baden und mit den Händen in all dem wühlen, was in so einer Windel drinstecken kann. 

Nein, ich mag nicht! Und ich finde das darf ich auch. Natürlich waschen die Müllberge mit EInmalwindeln – da kann ich mir gar nicht in die Tasche lügen und natürlich wäre es wesentlich konformer und politisch korrekter, wenn ich als vegetarisch lebende Reformhausshoppende, Plastikvermeidende Ökomum auch noch Stoffwindeln nutzen würde. Aber ich mag nicht. Punkt.

Ökosau statt Supermom? Warum es okay ist auch mal unperfekt zu sein….

Wir Mütter sind irgendwie alles gleichzeitig: Berufstätige, Orgaqueens, Spielkameraden, Erziehungsberechtigte, Köchin, Hausfrau, Freundin, Partnerin und so viel mehr und ich bewundere alle Mütter dafür, wie perfekt sie das meiste davon wuppen. Deswegen sage ich hier und heute auch nochmal laut und deutlich, dass es auch okay ist, wenn wir nicht immer alles, jeden einzelnen Aspekt und Part in unserem Leben absolut perfekt machen.

Deswegen bin ich bekennende Windelnutzerin und stopfe den riesigen Müllsack dann zwar mit einem schlechten Gewissen, aber gleichzeitig mit Todesverachtung in die Mülltonne. Das tut mir schon auch leid und ich wünschte es wäre anders. Aber ich bin nicht bereit dazu mich in Stoffwindelberge zu stürzen. Ich bin an dieser Stelle (und an einigen anderen *hüstel*) sicher nicht perfekt. Aber wer ist das schon? Bist du es? Schreibe mir gerne, was deine Punkte sind – lasst uns alle gemeinsam ein bisschen unperfekter hier und da sein. Einfach so, weil es gut tut!

For the Record: Ich bewundere alle Mütter, die auf Stofffwinden setzen und vielleicht gibt es da draussen unter euch Stoffwindel-Moms auch wertneutrale und tolerante Geschöpfe, die mir ein gutes und simples Rezept für den easypeasy-Umgang mit Stoffwindeln verraten können – dann gerne her damit!!! Aber bitte keine Belehrungen oder Entsetzen oder andere Emotionen in den Kommentaren – denn genauso wie ich die Stoffwindelbereitschaft bewundere und wertfrei anerkenne, dass andere Moms sich diese Mühe machen – wünsche ich mir für meine Fehlerhaftigkeit bitte auch ein bisschen Toleranz und einen freundlichen Blick auf meine Unperfektion im hektischen Momalltag.  

Ich tröste mich angesichts der Windelmüllberge damit, dass ich sonst ökologisch korrekt genug bin. 

Ich koche selbst, ich kaufe im Reformhaus ein, ich shoppe Ökolabels wo es geht und ich achte beim auch beim Windelkauf auf Produktion und Inhalt. Zum Beispiel Bambusfasern und ökologische Produktion, statt Baumwolle und Plastikwahn. Das hilft vielleicht meinem Gewissen mehr als der Umwelt, aber damit muss ich an dieser Stelle wohl einfach mal leben.

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Ökologisch korrekte Einmalwindeln

Wir haben hübsche einigermaßen ökologisch und nett produzierte weiche Windeln von Lillydoo. Die Windeln sind aus dem nachwachsenden Rohstoff Bambusfaser. Sie kommen im praktischen Abo zu mir nach Hause. Ich muss im Grunde nichts mehr tun. Sie flattern ins Haus und flattern genauso schnell wieder raus.  

Ich mag hübsche Windeln einfach lieber und das wechseln macht auch mehr Spaß wenn mir keine kitschigen Bärchen, Entchen oder Häschen unterm Babyhintern entgegen grinsen. Ich will einfach keine bunten Eulen oder Tiger sehen, während mein Gesicht über der vollen Windel schwebt.

So ist nunmal der Kreislauf der Windeln. 

Wer will darf seine Hände in Stoffwindeln baden und all dem anderen, was da noch beim einweichen der Windel herumschwimmt. Bitte und ich werde das feiern und bewundern. Aber wer lieber normale Windeln nehmen will, hat auch das Recht dazu – ohne dafür Vorwürfe oder anderes zu ernten. Wir Ladies sollten uns einfach auch mal unter uns Müttern in mehr Toleranz und Wertfreiheit üben, statt in einem merkwürdigen „Wer macht es besser-Mütterwettstreit“ und Vorwürfen für jeden, der es nicht perfektperfekt macht.

4 Gedanken zu „The Real Shit! Warum wir auf Bambusfaser setzen“

  1. Ich bin eben auf euren Windelbeitrag gestoßen und ich muss sagen, dass ich wirklich entsetzt bin, wie viele Klischees darin verwendet werden, um vor sich selbst zu rechtfertigen, warum man Plastikwindeln benutzt.

    Vorweg: Ich bin der Meinung, dass jeder für sich selbst entscheiden darf, welche Windeln er für sein Kind benutzt. Niemals würde ich auf die Idee kommen, jemanden zu verurteilen oder zu belehren. Aber wer sich ernsthaft mit dem Thema auseinandergesetzt hat, der weiß, dass Plastikwindeln Unmengen an Müll produzieren.

    Ich selbst wickel mein Kind seit 2,5 Jahren zu 3/4 Prozent mit Stoffis. Nachts gibts eine Plastikwindel, weil wir dafür keine passende Stoffivariante gefunden haben. Und wenn wir verreisen greifen wir ebenfalls zu Plastikwindeln. Aber auch wenn ich mit Stoff wickle, läuft die Waschmaschine einmal zusätzlich in der Woche – das finde ich wirklich überschaubar – und stecke ich meine Hände mitnichten(!) in Wasser voller Kinderscheiße. Aber wenn man wirklich etwas für die Umwelt tun möchte, reicht es halt nicht, sich mit entsprechenden Produkten ein gutes Gewissen zu kaufen. Manchmal muss man auch einfach selbst etwas tun.

    Sich aber stattdessen in einem Blogbeitrag Vorurteilen und Klischees zu bedienen, die nicht der Realität entsprechen, finde ich unmöglich. Durch die Verbreitung solcher falschen Vorurteile werden viele Eltern von der umweltfreundlichen Wickelvariante abgeschreckt.

    1. Hey Karo, „wirklich entsetzen“ wollte ich dich nun wirklich nicht. Aber ich finde nicht, dass ich mit Klischees um mich werfe, sondern mit persönlichen Gedanken und Blickwinkeln und die darf ich haben. Genau wie eine Meinung. Aber du darfst sie auch haben – das ist ja das schöne an Kommunikation und Austausch. Ich verstehe auch, dass du nicht so ganz optimal findest, dass ich offen dazu stehe „Wegwerfwindeln“ zu benutzen und ich bewundere sehr, dass du das anders machst. Aber weißt du, was an dem Thema für mich eigentlich der Punkt ist und weshalb ich es auch bewusst nicht ganz bierernst und ein bisschen ironisch angepackt habe? Die oft fehlende Toleranz für vermeintlich „unperfektes“ Verhalten unter Müttern. Diese Lagerbildung frei nach dem Motto: Wenn du es nicht so machst, wie ich es für richtig halte, machst du es falsch. Genau das war übrigens auch die Inspiration für den – bewusst – etwas provokant formulierten Text: Vorwurfsvolle Blicke von offenbar sehr perfekten Moms, die mir keine 1+ mit Sternchen geben wollten, weil ich keine Stoffwindeln benutze. Ich finde es wirklich sehr schade, dass wir nicht einfach mit einem Frauensolidarischeren und liebevolleren Blick auf die unterschiedlichen Blickwinkeln und Herangehensweisen in diesem Momiversum rangehen können. Auf jeden Fall schicke ich dir allerliebste Grüße und freue mich denn: du bist unser erster Kommentar! Wohooo! Das feiern wir jetzt mit Champus und stoßen einmal auf dich an – alles Liebe, Petra

  2. Liebe Petra,
    ich habe gleich am Anfang gesagt, dass ich jedem die Entscheidung selbst überlasse, mit welchen Windeln er sein Kind wickelt. Ehrlich gesagt habe ich darüber auch noch nie mit anderen Eltern diskutiert. Wenn du dich immer wieder rechtfertigen musst, tut es mir leid.
    Aber ich finde es nicht in Ordnung zu behaupten man müsse sein Hände in Wasser voller Kindersch… baden, wenn man mit Stoffwindeln wickelt. Das tut man nämlich mitnichten und diese Aussage zeugt einfach von Unkenntnis. Mit deinem Text werden Stoffieltern in eine Ekelecke geschoben und das ist, was mich stört.
    Alles Gute euch weiterhin für euren Blog!

    1. Liebe Karo, danke dir für deine Zeilen. Das muss dir auch nicht leidtun – mein Satz zu den Windeln ist ironischer Humor und lebt von Übertreibung – es scheint wohl einfach nicht dein Humor zu sein. Wobei – das weiß ich von anderen Mums, die auf Stoffwindeln setzen – die Moms die Windeln durchaus einweichen vor dem Waschen. Aber wenn du da eine perfekte andere Methode parat hast, dann tippe sie uns gerne hier in die Kommentare. Auf jeden Fall alles Liebe und ein dickes Dankeschön für deine Gedanken, Petra

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