Ergotherapie für ein ausgeglichenes Kind

Ergotherapie und Kind

Mit Ergotherapie ein ausgeglichenes Kind

Ergotherapie für Kinder

Was ist das und wer braucht es?

What the fudge ist Ergotherapie??? Sind das nicht die, die so gut massieren können? Oder eher die, die für die ERGO Versicherung arbeiten? Ach nein – das sind doch die Basteltanten, die den ganzen Tag nur spielen! 

Wir räumen in diesem Artikel mit allen   

 

Klischees rund um diesen coolen und und wichtigen Berufszweig auf und zeigen euch, wie Ergotherapie zu einer glücklichen Kindheit beitragen kann. Und als Goody gibt es für euch auch noch ein paar coole Spielideen, mit denen ihr eure Happy Kids im Alltag ganz natürlich fördern könnt.

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Was ist Ergotherapie?

...und wann brauchen kinder ERgotherapie?

Falls in deinem Kopf schon nach dem ersten Wort in dieser Artikel nur noch ein Lautes „HEEEEEEE????!!!“ klang, dann machen wir jetzt einen auf Wikipedia und erklären, was Ergotherapie überhaupt ist.

Und wir beginnen sehr poetisch: Das Wort Ergotherapie bedeutet so viel wie „Gesundung durch Handeln und Arbeiten.“ Es ist ein Therapieform, die sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern eingesetzt wird und vor allem dann, wenn die Fähigkeit zu Handeln bei Erwachsenen (z.B. nach Schlaganfall) und Kindern(z.B. bei Entwicklungsstörungen)  aus physischen, psychischen oder neurologischen Gründen eingeschränkt ist. Ziel der Ergotherapie ist es, Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag zu ermöglichen und ihre Lebensqualität zu verbessern. 

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Wenn Ergotherapeuten mit Kindern arbeiten, dann setzen sie vor allem auf Spiele und Alltagshandlungen, um zum Beispiel Entwicklungsstörungen zu beheben oder Entwicklungsverzögerungen auszugleichen. Dabei behandeln Ergotherapeuten ein super breites Feld an Symptomen und Auffälligkeiten.  Sie helfen Kindern zum Beispiel:

  • sich besser zu konzentrieren
  • ihre Koordination und ihre Bewegungsabläufe zu verbessern
  • ihre Neugier und Motivation zu stärken
  • ihre Sinne und ihre Wahrnehmung zu schärfen
  • und so selbständig wie möglich durch ihren Alltag zu gehen. 

 

Was genau macht eine Ergotherapeutin?

Aber das ist natürlich noch LANGE nicht alles, was Ergotherapeuten machen und können! Und das coolste ist – wir Moms und Dads können einiges für unseren Alltag mit Kind von der Ergotherapie mitnehmen und lernen. Und genau hierfür haben wir uns eine tolle Expertin eingeladen, nämlich Silvia von @ERGOTIPP!

Silvia Taurer hat in Kärnten Ergotherapie studiert und hat ihren Schwerpunkt in den Bereichen Kinderheilkunde,  Neurologie und Orthopädie. Sie betreibt mit viel Liebe den super interessanten Insta-Account @ERGOTIPPS, dem wir unheimlich gerne folgen! In ihren Post zeigt Silvia uns Moms und Dads, warum es so wichtig ist, die Kleinen beim Wäscheaufhängen einzubinden und warum das Graben von Löchern im Garten und Sandkasten so viel mehr Sinn macht, als ein Frühförderkurs.  

Das Wort Ergotherapie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Gesundung durch Arbeit und Handeln“. Aber selbst wenn dein Kind keinerlei Entwicklungsschwierigkeiten hat, kannst du dir einige Tipps und Spielideen von der Ergotherapie abschauen. 

Herznotiz

Ergotherapie und eine glückliche Kindheit

Unser Interview mit Silvia von @ERgotipps

KIDDYROCKS: Hallo Silvia! Lass uns das Interview mit einer Frage starten, die uns bei KIDDYROCKS super am Herzen liegt: Was macht eine glückliche Kindheit aus?

Silvia: Aus Sicht der Ergotherapie würde ich kurz und knapp sagen: Spielen, spüren, lernen, ausprobieren dürfen und das Ganze mit viel Spaß und Freude verknüpfen.

 

KIDDYROCKS: Das sind ja alles Punkte, auf die wir auch hier bei KIDDYROCKS setzen;-)! Und was genau ist Ergotherapie eigentlich und wie kann sie deiner Meinung nach zu einer glücklichen Kindheit beitragen?

Silvia: Ergotherapie in der Pädiatrie zielt darauf ab, Kinder darin zu unterstützen am Leben in vollen Zügen teilzunehmen. Wir Ergotherapeuten befähigen sie in der Schule, im Kindergarten und zuhause im Alltag mitzuhalten.

Unser Einsatzgebiet ist dabei sehr breit gefasst: Konzentration, Aufmerksamkeit, Entwicklungsverzögerungen, Feinmotorik, Stifthaltung + schreiben, Wahrnehmung, Grobmotorik, Koordination, soziale und emotionale Kontrolle, Erarbeitung und Training von alltäglichen Dingen (essen, anziehen, waschen,.) UND UND UND. – eigentlich also in jedem Bereich, der dem Kind, den Eltern und dem Umfeld als auch für die weitere Entwicklung wichtig ist.

 

KIDDYROCKS: Du hilfst also Kindern, damit sie möglichst selbständig am Alltag teilnehmen können, indem du mit ihnen essen, anziehen und waschen trainierst und mit ihnen spielst! Ich kann mir schon vorstellen, was du dir dann von verschiedenen Leuten anhören kannst… Welchen Klischees begegnest du denn so als Ergotherapeutin?

Silvia: Die tagtäglichen Klischees habt ihr  ja schon in eurer Einleitung schön aufgelistet.

Aussagen bei denen ich immer wieder schlucken muss oder die Augen verdrehe sind z.B.:

„Kannst du mich mal massieren?“, „Also für’s zuschauen beim An- und Ausziehen würde ich auch gern bezahlt werden.“, „Aha, du hast also ein Ergometer?“, „Kannst du dann mit mir auch mal Physiotherapie machen?“, „Den ganzen Tag spielen ist auch mein Traum.“

 

KIDDYROCKS: Wir müssen zugeben: Bis wir auf deinen coolen Account gestoßen sind, dachten wir auch, dass Ergotherapeuten vor allem mit Schlaganfallpatienten malen. Kinder hatten wir dabei überhaupt nicht im Kopf! Aber sag mal – welche Kinder kommen denn zu dir in die Ergotherapie?

Silvia: Ehrlich gesagt von A wie Aufmerksamkeit und ADHS bis Z wie Zerebralparese jedes Kind, welches Einschränkungen im Alltag aufgrund von Erkrankungen, Lebenssituationen, geistigen Einschränkungen, Verletzungen usw. hat.

 

KIDDYROCKS: Und woran erkenne ich als Mom, das mein Kind Ergotherapie braucht?

Silvia: Oft hat man als Mama eh schon ein Gefühl dafür, wenn etwas nicht stimmt und da liegt man dann sowieso meistens richtig.

Beispielsweise kommen Kinder zur Ergo, wenn sie

  • Probleme im Umgang mit der Schere, Stift, Reißverschlüssen, Knöpfen und ähnlichem haben
  • Schwierigkeiten beim Essen, Trinken, Anziehen, Körperpflege haben 
  • sehr tollpatschig, ängstlich, berührungsempfindlich, langsam, zappelig oder sehr wild sind
  • im Umgang mit Spielzeug oder Distanzen auffällig erscheinen
  •  den eigenen Körper und Grenzen schwer wahrnehmen
  • sich nur schwer konzentrieren können
  • Buchstaben verwechseln, schwer von der Tafel abschreiben
  • Probleme mit dem Gleichgewicht und der Geschicklichkeit zeigen

 

KIDDYROCKS: Da sind ein paar Punkte dabei, die wir im Alltag bei vielen Kindern beobachten können. Tragen wir Eltern vielleicht indirekt und ungewollt dazu bei? Was sind denn aus deiner Sicht die größten Hindernisse für eine gesunde Entwicklung bei Kindern?

Silvia: Dass Eltern oft zu viel und zu schnell wollen und die Kinder dadurch unter Druck setzen bzw. ihnen alles abnehmen. Dadurch sinkt die Motivation, Ausdauer, Konzentration und Frustrationstoleranz der Kinder und sie lernen nur schwer selbstständig zu werden.

 

KIDDYROCKS: Gibt es heute mehr Entwicklungsstörungen und –verzögerungen bei Kindern als früher?

Silvia: Diese Frage ist schwer zu beantworten, früher wurden einfach viel weniger Testungen durchgeführt und ein Kind, welches sehr unruhig und zappelig ist, sofort als „verzogen und schlimm“ abgestempelt wurde. Heute weiß man, dass oft mehr dahinter stecken kann, bspw. Wahrnehmungsstörungen.

Früher konnten Kinder auch viel mehr in der Natur spielen und Zeit draußen verbringen, heutzutage sind die Terminkalender oft so voll, dass nicht viel Zeit dazu bleibt. Auch müssen viele Mütter mehr arbeiten, weshalb leider auch Zeit verloren geht.

 

KIDDYROCKS: Und welche Entwicklungsverzögerungen begegnen dir am häufigsten in der Praxis und im Alltag?

Silvia: Konzentration und Aufmerksamkeit! Immer wieder ein großes Thema, welches Einfluss auf so viele verschiedene Bereiche haben kann. Im Alltag benötigt man dadurch sehr viel Geduld und auch Zeit.

 

KIDDYROCKS: Was ist der größte Fehler, den wir Eltern im Alltag mit unseren Kindern machen?

Silvia: Sie zu unterschätzen! Kinder können und wollen so viel lernen! Sie wollen selbstständig sein wie alle anderen. Deshalb kann man Kinder schon von kleinauf ins Tagesgeschehen einbinden und ihnen kleine Alltagsaufgaben übergeben.

Sobald Kleinkinder es motorisch schaffen, wollen sie der Mama ja auch schon den Löffel beim Füttern entreißen und selbst essen. Der Wille zur Selbstständigkeit ist von Früh auf gegeben und angeboren.

 

KIDDYROCKS: Und wir Moms und Dads bremsen sie manchmal in ihrer Selbständigkeit, statt diese zu unterstützen… Was kann ich als Mom unseren Familienalltag so gestalten dass ich die Entwicklung meines Kindes nicht bremse oder sogar störe?

Silvia: Sich selbst vor allem nicht zu viel Druck machen! Kinder signalisieren einem, wann sie bereit für neue Aufgaben sind und etwas ausprobieren wollen. Eltern sollten dann darauf eingehen und ihnen das Ausprobieren ermöglichen.

 

KIDDYROCKS: Wir liebens ja praktisch: Hast du drei Übungen oder Spielideen für den Alltag von Vorschulkindern (z.B. von 3 bis 6 Jahren), den du uns empfehlen kannst?

Silvia: Meine liebsten Empfehlungen sind:

  1. Sei ein Tier! Bewegungen von Elefanten, Krabben, Fröschen usw. nachahmen (fördert die Motorik, Koordination, Konzentration, Ideenreichtum, emotionale Kontrolle)
  2. Alltag! Mit 3 Jahren können die Kleinen beim Aufräumen ihrer Spielsachen helfen, ihr Besteck zum Tisch bringen, Wäsche in den Wäschekorb werfen, Tiere füttern helfen, usw. . Mit 6 Jahren können sie schon Pflanzen gießen, beim Geschirrspüler ausräumen helfen, Wäsche sortieren… (der Alltag fördert Kinder auf allen Ebenen und baut Selbstständigkeit auf!)

 

KIDDYROCKS: Wir sind auch große Verfechter davon, Kindern in den Alltag einzubeziehen! Besonders wenn Eltern das ganze Spielerisch gestaltet. So schlägt man gleich hundert Fliegen mit einer Klappe: Kind wird natürlich gefördert, hat Spaß und Mom & Dad verbringen Zeit mit Kind und bekommen den Haushalt in den Griff. 

Lass uns noch zu einem wunden Punkt von Eltern kommen: Wie stehst du als Ergotherapeutin zu Smartphones & Screen-Time Konsum bei Kindern?

Silvia: Smartphones und Internet gehören mittlerweile einfach zu unserem Alltag. Eltern leben dies den Kindern auch vor, weshalb diese auch so früh wie möglich daran teilhaben möchten.

Das Ganze sollte aber immer mit Maß und Ziel erfolgen. Unter 3 Jahren sollten Kinder aus meiner Sicht höchstens 5 Minuten Screen-Time haben und das Ganze im Beisein der Eltern.

Auch im Kindergarten- und Volksschulalter sollten Medien nur unter Aufsicht konsumiert und zeitlich immer begrenzt sein. Bei der Begrenzung ist eine Routine wichtig, die täglich und wöchentlich immer gleich stattfindet, so kann sich das Kind besser darauf einstellen.

Zur Ablenkung und um ein Kind ruhig zu stellen, sollte ein Smartphone nicht verwendet werden.

 

KIDDYROCKS: Wir bei KIDDYROCKS sind bekennende Spielzeug-Freaks! Was ist dein Spielzeug-Must-Have für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren?

Silvia: Bausteine, Puzzles, Papier und Stifte, Bälle, Sandkiste, Schaukel, Rutsche und Fahrrad.

Ein bestimmtes Spielzeug gibt’s da jetzt nicht für mich, jedes Kind mag andere Dinge, andere Farben und hat andere Interessen. Deshalb darf man da ruhig individuell auswählen und Spaß haben!

 Lieben Dank für das super interessante Gespräch! Wir sind dann mal shoppen 😉

Und falls du noch Fragen zu Ergotherapie hast oder deine Erfahrungen mit uns und den anderen KIDDYROCKS-Moms teilen willst, dann hinterlass uns einen Kommentar!

 

Love & Hugs,

 

Ana

WIR SIND ANA, PETRA, KATJA UND TOM. WIR LIEBEN TEXTE, WIR LIEBEN UNSERE KIDS UND WIR MÖGEN SCHÖNE DINGE. AUSSERDEM SIND WIR SPIELESÜCHTIG UND WISSENSJUNKIES. DAS ALLES LANDET IN UNSEREN ARTIKELN UND EXPERTENINTERVIEWS. TOM MACHT DIE. TECHNIK, WIR MOMS DIE TEXTE.

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2 Gedanken zu „Ergotherapie für ein ausgeglichenes Kind“

  1. Danke für diesen sehr informativen Artikel über Ergotherapie. Meine Tochter hat leichte Entwicklungsstörungen und der Kinderarzt hat uns eine Ergotherapie für Kinder empfohlen. Ich denke, dass ich eine Ergotherapie ausprobieren werde, da sie dabei helfen kann, dass meine Tochter ihre Koordination und ihre Bewegungsabläufe verbessert und insgesamt selbstständiger durch den Alltag kommt.

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