Abstillen! Die wichtigsten Tipps damit es stressfrei für dich und dein Baby gelingt

  • Katja 
Muter stillt Kind

Wie lange soll ich stillen? Vier Monate? Sechs Monate? Ein Jahr? Oder noch länger?  Diese Frage beschäftigt viele Mütter. Die eine stillt zwei Jahre, die andere nur ein paar Monate. Die Meinungen in den Foren sind vielfältig bis extrem und irgendwie gibt es auch immer wieder Diskussionen unter den Müttern, was denn das einzig Wahre sei. Im Artikel wollen wir dir die wichtigsten Fakts und Tipps mitgeben zum Thema „Abstillen“, damit du für dich und dein Baby individuell entscheiden kannst, was das Beste für euch ist. Das geht aber nur, wenn du alle wichtigen Facts kennst. Deswegen wollen wir dir jetzt die wichtigsten Fragen beantworten und dann kannst du besser entscheiden, wann und wie du da Abstillen angehen möchtest.

Wir liefern dir hier ganz viele Fakten und persönliche Erfahrungen, aber wir sind natürlich keine Ärzte oder Hebammen. Im Zweifelsfall oder wenn du unsicher bist, etwas nicht so klappt wie du das möchtest, dann suche dir immer Beratung durch deine Hebamme oder deinen Arzt.

Wann und wie stillst du ab?

Spätestens mit Beginn des siebten Monats solltest du den Speiseplan deines Babys um feste Nahrung – die sogenannte Beikost – erweitern. Viele Ärzte empfehlen sogar ab dem 4. Oder 5. Monat zu beginnen. Wann du am besten startest, wird dir dein Kind sagen. Nämlich dann, wenn es zunehmend Interesse an der angebotenen Nahrung zeigt. Manche Kinder mümmeln schon ganze Breischüsseln mit 5 Monaten leer, manche wollen erst mit 7 Monaten das erste Mal etwas anderes als Milch auf ihrem Speiseplan sehen. Wenn es dann aber losgeht, startest du natürlich langsam mit der Beikost.

Dabei werden die Milchmahlzeiten Schritt für Schritt durch die Beikost ersetzt. Sobald du deinem Baby feste Nahrung gibst, wirst du merken, dass es mit der Zeit ganz auf natürliche Weise weniger häufig an der Brust trinken möchte. Feste Nahrung kann die Milchmahlzeiten deines Babys am Anfang aber nur teilweise ergänzen. Die gute alte Milch ist und bleibt noch für viele Monate die Hauptnährstoffquelle für dein Baby.

Wenn du jetzt also abstillen willst, dann werden verschiedene Fragen in deinem Kopf aufploppen:

  • Gibt es einen idealen Zeitpunkt für das Abstillen?
  • Wann solltest du mit dem Abstillen lieber nicht anfangen?
  • Wann und wie stillst du ab?
  • Was passiert beim Abstillen mit der Brust?
  • Wie kannst du merken, dass dein Baby für das Abstillen noch nicht bereit ist?

All diese Fragen beantworten wir dir jetzt in unserem Artikel.

Gibt es einen idealen Zeitpunkt für das Abstillen?

Mutter gibt Flasche dem Kind

Die Weltgesundheitsorganisation rät den Müttern, ihr Baby sechs Monate mit Muttermilch zu stillen und dann langsam feste Nahrung zu geben. Muttermilch ist reich an immunfördernden Inhaltsstoffe, die stark ansteigen, wenn dein Baby krank ist. Die Natur ist ganz schön clever! Es wäre also ideal, wenn du dein Baby mindestens sechs Monate stillst.

Es gibt natürlich verschiedene Lebenssituationen. Überlege dir einfach in Ruhe die Vor- und Nachteile des Stillens, übertrage das auf deine persönliche Situation und treffe die Entscheidung, die sich für dich und dein Baby richtig anfühlt. Wenn du dich für das Abstillen entschieden hast, stelle dich darauf ein, dass der ganze Prozess etwas dauern wird. Plötzliches Abstillen kann zu Problemen mit deiner Brust führen (Mastitis, Brustdrüsenschwellung, etc.). Außerdem kann es für euch beide emotional sehr schwer sein. Viele Babys wollen die Nähe nicht so gerne aufgeben.

Es gibt aber ein paar einfache Tipps, die dir helfen können Komplikationen beim Abstillen zu vermeiden. Dazu gleich mehr – erst einmal beantworten wir dir noch ein paar Basisfragen.

Wann solltest du mit dem Abstillen lieber nicht anfangen?

Stillen ist viel mehr als nur Nahrung. Stillen gibt deinem Kind ein Gefühl der Wärme, Geborgenheit, Sicherheit, es schenkt euch„Zeit zu zweit‘“. In Stresssituationen oder in ungewohnten Umgebungen hilft das Stillen deinem Kind sich schneller zu beruhigen. Wenn ihr also gerade eine stressige Phase habt – sei es das Zahnen oder ein Umzug oder andere Lebenssituationen, die für dein Baby als Stress empfunden werden können, empfehlen wir dir noch ein bisschen abzuwarten und etwas später mit dem Abstillen anzufangen.

Wie stillst du ab?

Die Antwort hängt vom Alter deines Babys ab.Hier werden wir also nach dem Alter deines Babys unterscheiden.

Abstillen vor dem sechsten Monat

Baby trinkt aus der Flasche

Wenn du vor dem sechsten Monat abstillen willst hast du ja die Möglichkeit deinem Baby entweder eine Flasche mit der PRE-Milch aus dem Milchpulver oder eine Flasche mit deiner abgepumpten Muttermilch zu geben. Wir nennen die PRE-Milch aus dem Milchpulver jetzt einfach mal „Fertigmilch“, dann weißt du immer was wir meinen. Du hast im Grunde drei Möglichkeiten:

  1. Zuerst ist es also wichtig für dich zu entscheiden, ob du komplett mit dem Stillen aufhören willst.
  2. Oder ob du dein Kind nur nicht an der Brust trinken lassen, aber ihm immer noch deine abgepumpte Milch geben willst.
  3. Du kannst es auch mit dem teilweisen Abstillen probieren, wobei du nur einige Stillmahlzeiten durch Säuglingsnahrung ersetzt.

Nachdem du dich für eine dieser Alternativen entschieden hast, die für dich passt, kannst du mit Abstillen anfangen. Ersetze zuerst eine Stillmahlzeit durch eine Flasche Säuglingsnahrung. Am besten eignet sich dafür die Stillmahlzeit um die Mittagszeit.

Wie wir oben schon erwähnt haben hast du zwei Möglichkeiten:

  • Du kannst deinem Baby eine Flasche Fertigmilch geben.
  • Du kannst deinem Baby eine Flasche mit deiner abgepumpten Muttermilch geben.

Es kann sein, dass dein Baby in der ersten Zeit die Flasche nicht nimmt, wenn du sie anbietest. Wenn du in seiner Nähe bist, kann es dich an deinem Geruch erkennen und es weiß ja, dass der ganze Prozess normalerweise anders abläuft ? Bitte deswegen deinen Partner oder ein Familienmitglied deinem Baby die Flasche zu geben. Für dein Baby ist es einfacher zu verstehen, dass es nicht an der Brust trinken kann bei jemanden, der „keine Brust“ hat ? Wenn dein Baby sich an die Flasche gewöhnt hat, wird es sicherlich auch von dir eine Flasche akzeptieren.

  • Nachdem du eine Stillmahlzeit ersetzt hast, kannst du in ein paar Tagen eine weitere Stillmahlzeit ersetzen.
  • Wenn das gut funktioniert hat, ersetze noch eine weitere Stillmahlzeit.
  • Irgendwann führt diese Methode dazu, dass dein Baby tagsüber nur noch aus der Flasche trinkt.
  • Als nächstes ersetze das Einschlafen an der Brust durch eine Flasche Säuglingsmilch oder Fertigmilch. Das ist nicht immer einfach. Du solltest dabei ein anderes alternatives Einschlafritual finden, bei dem sich dein Baby und du auch wohlfühlen. Beispielsweise sind Herumtragen oder Spazierenfahren im Kinderwagen zwar gute, aber eher anstrengende Methoden. Eine Alternative könnte sein, wenn dein Kind lernt, im Körperkontakt zu dir oder deinem Partner einzuschlafen. Das müsst ihr einfach ausprobieren.
  • Der allerletzte Schritt ist mit den nächtlichen Stillmahlzeiten aufzuhören.

Abstillen nach dem sechsten Monat

Beikost Gemüse

Sobald du deinem Baby ungefähr im Alter von sechs Monaten feste Nahrung gibst, wirst du merken, dass es mit der Zeit ganz natürlich weniger häufig an der Brust trinkt. Mit einem Jahr möchten einige Kinder tagsüber gar keine Stillmahlzeiten, andere nur noch ein paar Stillmahlzeiten. Falls du das noch weiter reduzieren möchtest, mache das indem du nur eine Stillmahlzeit auf einmal weglässt und deinem Baby stattdessen Säuglingsmilch oder Fertigmilch gibst.

Ab einem Jahr ist dein Kind schon reifer und versteht ziemlich viel. Natürlich kann es sein, dass es protestiert, wenn du es nicht an der Brust trinken lässt. Du kannst dann versuchen „Regeln“ für das Stillen einzuführen:

  1. Ihr einigt euch, dass du nur zu Hause stillst. Wenn ihr draußen seid und dein Kind an die Brust will, kannst du ihm sagen: „Bald kommen wir nach Hause und Mama stillt dich“.
  2. Ebenso könnt ihr euch auf eine bestimmte Stelle zu Hause einigen, wo du dein Kind stillst. Zum Beispiel kann es ein Sessel im Kinderzimmer sein.
  3. Versuch dich an die Regeln zu halten – das wird sowohl deinem Kind als auch dir guttun.
  4. Aber es gibt natürlich immer Ausnahmen. Manchmal ist man mehrere Stunden unterwegs. Oder du merkst, dass dein Kind gerade Angst hat oder sich in einer Stresssituation befindet. Dann lass es lieber an deiner Brust trinken, auch wenn das gerade nicht „euren Regeln“ entspricht.
  5. Wichtig ist, dass sich dein Kind wohl fühlt. Gerade in der Phase des Abstillens braucht dein Kind viel Nähe, Wärme und Körperkontakt. Das hilft ihm zu verstehen, dass die Mama für es immer da ist, du dein Kind liebst und in seiner Nähe sein willst.

Es gibt auch weitere Möglichkeiten, dein Kind von der Änderung seiner Ernährungsgewohnheiten abzulenken. Du kannst versuchen dein Mini durch ein Lieblingsspiel abzulenken oder es bitten dir beim Haushalt zu helfen. Kinder LIEBEN mithelfen und bei der gemeinsamen Beschäftigung stärkt sich auch euere emotionale Bindung.

Noch ein Tipp: Während des Abstillens vermeide Oberteile, bei deinen dein Kind leicht an die Brust kommen kann (zum Beispiel T-Shirts mit einem großen Ausschnitt). Solche Oberteile könnten dein Kind provozieren an der Brust trinken zu wollen.

Abstillen – Was passiert mit der Brust

Dein Körper arbeitet auf Bedarf. Er produziert also dann Milch, wenn dein Kind sie auch trinkt – wenn es nicht so oft trinkt, produziert er nach und nach weniger. Er braucht aber ein bisschen, bis er checkt, dass sich die „Trinklage“ verändert hat.

Wenn du eine Stillmahlzeit weglässt, fühlen sich deine Brüste mit großer Wahrscheinlichkeit voller und empfindlicher an. Die Erzeugung der Muttermilch funktioniert nach dem Prinzip „Nachfrage – Angebot“.  Deswegen kannst du durch das Abpumpen die Laktation solange du willst unterstützen.

Wie oft solltest du abpumpen, um Laktation zu unterstützen?

Wenn du also nur „teilweise Abstillen“ willst, dann kannst du das natürlich fördern, indem du entsprechend oft abpumpst. Das regulierst du selbst.

Nehmen wir an, du hast Milch abgepumpt und machst drei Stunden Pause. In drei Stunden bekommst du in deiner Brust ungefähr so viel Milch, wie du das letzte Mal abgepumpt hast. Für das Abpumpen finden einige Frauen eine Milchpumpe am praktischsten, andere streichen lieber eher per Hand aus. Du kannst beide Methoden ausprobieren und eine für dich passendere auswählen. Wichtig zu wissen ist, dass du in deiner Brust noch mehr Milch hast als das Volumen der Milch, das du abgepumpt hast. Keine Milchpumpe dieser Welt schafft es mit der Kraft die Milch aus deiner Brust auszusaugen, wie dein Baby das machen würde ? Das kann sich also ein bisschen ziehen, wenn du komplett abstillen willst.

Um kurz zusammenzufassen – wenn du dich entschieden hast deinem Baby weiterhin deine abgepumpte Milch zu geben, kannst du das noch mehrere Monate tun. Das funktioniert durch das regelmäßige Abpumpen, die Zeitabstände zwischen dem Abpumpen regulierst du selbst je nach Bedarf.

Falls du dich entschieden hast komplett mit dem Stillen aufzuhören, muss dein Körper erstmal begreifen, dass er weniger Milch produzieren muss. Wie funktioniert das?

  1. Du fühlst, dass deine Brüste voller und empfindlicher werden. Warte aber nicht ab, bis sie ganz hart werden – das kann nämlich schon zu spät sein.
  2. Pumpe nur soviel Milch ab, um deine Beschwerden zu lindern, ohne deinen Körper anzuregen mehr Milch zu bilden – du erinnerst dich ja an das Prinzip „Nachfrage – Angebot“. 
  3. Wenn du viel Milch abgepumpt hast, bekommst du das abgepumpte Volumen in ein paar Stunden wieder zurück.
  4. Wenn du dagegen wenig Milch abgepumpt hast, kriegst du weinig Milch zurück. Wenn in einiger Zeit deine Brüste wieder voller und empfindlicher werden, pumpe erneut ein WENIG Milch ab.
  5. Später wirst du merken, dass die Abstände zwischen dem Abpumpen immer größer werden, bis du eines Tages gar nicht mehr abpumpen brauchst.

Wie kannst du merken, dass dein Baby für das Abstillen noch nicht bereit ist?

Mutter stillt Kind

Wenn du dich für das Abstillen entschieden hast, stelle dich darauf ein, dass der ganze Prozess etwas dauern wird. Plötzliches Abstillen kann zu Problemen mit deiner Brust führen. Außerdem kann es für euch beide emotional sehr schwer sein. Wichtig ist, dass der Prozess des Abstillens sich sowohl für dein Baby als auch für dich richtig anfühlt. Wie merkst du aber, dass dein Baby für das Abstillen noch nicht bereit ist? Beispielweise habt ihr mit dem Abstillen begonnen und einige Milchmahlzeiten durch eine Flasche Säuglingsnahrung ersetzt. Du merkst aber, dass dein Baby launischer geworden ist, es schläft schlechter in der Nacht, hat keinen Appetit, nachts nuckelt es mehr als gewohnt an der Brust…all das sind Anzeichen für dich, dass dein Baby noch etwas Zeit braucht. In diesem Fall warte ein bisschen ab und versuche es in ein paar Wochen erneut wieder. Dein Baby wird immer älter und reifer und einige Wochen können dabei eine grosse Rolle spielen.

Noch ein abschließendes Wort

Das Abstillen ist eine große körperliche, hormonelle und emotionale Umstellung. Lass dir und deinem Kind deswegen genügend Zeit für diese Umstellung. Kuschele viel mit deinem Baby während dieser Zeit, damit ihr beide weiterhin viel Nähe spürt. Manche Kinder brauchen etwas länger als andere, um mit der Veränderung klar zu kommen, aber mit der Zeit wird es einfacher. Und wenn du merkst, dass dein Körper nicht so will, wie du, dann lass auch dir Zeit.

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